1 Home > 2 Services > 3 Professionals > 4 Der Hausarzt hilft beim Rauchausstieg

„Der Hausarzt gibt Halt beim Rauchausstieg“

Dr. Zeeuw

Der Hausarzt spielt eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Nichtraucher. Das weiß auch Dr. Justus de Zeeuw, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Schlafmedizin Köln. Im Interview erzählt der Experte, wie er seine Patienten zum Durchhalten motiviert. 

 

 

Herr Dr. Zeeuw, Sie haben nicht nur zum Jahreswechsel, sondern das ganze Jahr über mit Patienten zu tun, die gesundheitliche Probleme wegen ihres Tabakkonsums haben. Was raten Sie ihnen und warum?
Der Entschluss zur Rauchfreiheit hat für jeden Raucher positive Aspekte. Egal, ob ein Patient mit COPD, Asthma, Diabetes oder KHK zu mir kommt: Ich betone die günstigen Effekte eines Rauchstopps, zum Beispiel auf den Blutdruck, das Herzinfarktrisiko oder die Atmung. Dann frage ich nach, ob schon einmal versucht wurde, rauchfrei zu werden. Denn wenn jemand schon mehrfach probiert hat, von den Zigaretten wegzukommen, zeigt mir das vor allem, wie wichtig ihm das Thema ist. Das sage ich dann auch so. Dadurch ist eine sehr gute Gesprächsatmosphäre hergestellt, und wir können überlegen, wie es diesmal gelingen kann.

Wie motivieren Sie Ihre Patienten? Und wie schaffen Sie es, dass diese auch am Ball bleiben?
Für die Motivation nutze ich drei grundlegende Elemente der Gesprächsführung: erstens die Vermeidung von Reaktanz. Das bedeutet, dass ich möglichst keinen Einfluss auf die Entscheidungsfreiheit des Rauchers nehme. Argumentieren mit dem Raucher im Sinne von „Aber Sie wissen schon, dass Rauchen schädlich ist“, ist tabu. Besser sind Formulierungen oder Fragen, die offen sind, wie „Wenn Sie sich entscheiden, rauchfrei zu werden, dann ...“ sind dazu hilfreich. Zweitens die Verstärkung der Ambivalenz. Jeder erwachsene Raucher kämpft täglich mit dem Widerstreit zwischen Rauchen und körperlicher Gesundheit. Um mit sich selbst im Reinen zu sein, wird dieser Widerstreit, also die Ambivalenz, verdrängt. Im Gespräch betone ich den Widerspruch, ohne das zu bewerten: „Einerseits ist Ihnen wichtig, möglichst wenige Medikamente zu nehmen, andererseits rauchen Sie jeden Tag. Das scheint ein Widerspruch zu sein. Wie sehen Sie das?“. Und mein drittes Motivationselement lautet: Ermutigung, Ermutigung, Ermutigung! Jemand, der schon mehrfach versucht hat, rauchfrei zu werden, nimmt sich selbst oft als Verlierer wahr. Aufmunternde Worte sind hier wie Wasser für eine vertrocknende Pflanze, sie werden mehr als dankbar angenommen.

Welche Rolle spielen Nikotinersatzpäparate im Rahmen Ihrer Beratung? Welche Darreichungsformen sind aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus am geeignetsten?
Die medikamentöse Tabakentwöhnung gehört zu den erfolgreichsten Methoden, um rauchfrei zu werden. Als Lungenfacharzt setzte ich therapeutisches Nikotin regelmäßig ein. Wenn jemand morgens die erste Zigarette innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen raucht, bin ich sicher, dass Nikotinersatzpräparate hier sinnvoll sind. Ob in der Monotherapie (zum Beispiel Nikotinspray) oder als Kombination (Nikotinpflaster und Spray), beides empfehle ich regelmäßig mit Erfolg.

Welche Hinweise sollten aus Ihrer Sicht bei der Abgabe der Präparate in der Apotheke nicht fehlen?
Der häufigste Grund, dass die Tabakentwöhnung am Ende nicht gelingt, ist der vorzeitige Abbruch der Therapie und die ungenügende Dosierung. Der Hinweis auf die notwendige Dauer der Therapie (ideal sind drei Monate) ist also wichtig. Ich vergleiche das gerne mit einer Antibiotikatherapie. Diese kann nur wirken, wenn ein therapeutischer Spiegel im Blut erreicht wird. Dazu müssen die exakte Einnahmedauer und Dosierung eingehalten werden. Dieses Wissen hat sich inzwischen bei Patient und Therapeut durchgesetzt – das hat aber Jahre gedauert! Ähnlich ist das bei der therapeutischen Nikotingabe. Die biologische Umstellung der Nikotinrezeptoren im Gehirn dauert etwa drei Monate. Und nur wenn das Rauchverlangen durch einen adäquaten Nikotinspiegel hinreichend gesenkt wird, kann die Therapie erfolgreich sein. Es kann daher hilfreich sein, die Präparate direkt für einen längeren Zeitraum anzubieten, also zum Beispiel auch größere Packungen. Auch eine zu geringe Dosierung des Nikotins kann zum Misserfolg führen. Anstatt dann die Flinte ins Korn zu werfen, sollte eine passendere, höhere Dosis gewählt werden, die Kombitherapie bietet sich hier an. Hierauf kann schon beim Start der Therapie hingewiesen werden.

 

Quelle: Das PTA MAGAZIN, Ausgabe 01/2016, Springer Medizin Verlag GmbH

Mehr zur Initiative erfahren Ärzte unter

www.einfach-erfolgreich-rauchfrei.de